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26. Juni 2019 / Die Briten bleiben bei uns … in Europa

Treffen mit dem britischen Generalkonsul im Düsseldorfer Generalkonsulat.

Heute trafen sich die Ambassadeure der Euregio Rhein-Waal mit dem britischen Generalkonsul im Düsseldorfer Generalkonsulat. Die Themenschwerpunkte waren vor allem die deutsch-britischen-Beziehungen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, insbesondere das Verhältnis mit Nordrhein-Westfalen und mit Bezug zu den Niederlanden in der Euregio Rhein-Waal.

Es nahmen teil Generalkonsul Rafe Courage, sowie die Mitglieder seines Teams Dr. Liam Harris und Petra Gabriele, der Euregio Geschäftsführer Sjaak Kamps und sein Stellvertreter Andreas Kochs, die Euregio-Ambassadeurin Regina Schneider, sowie die Ambassadeure Erwin Schmitz, Jos Verbeeten, Jan van Zoomeren und Robert Tonks.

Als Neuling im Kreis der Ambassadeure hatte der Verfasser dieser Zeilen, Vorsitzender der Deutsch-Britischen Gesellschaft Duisburg sowie stellvertretender Vorsitzender der Europa-Union Duisburg-Niederrhein, die Sitzung eingeleitet.

Erwin Schmitz erläuterte die Aufgaben der Ambassadeure, Sjaak Kamps stellte die Arbeit der Euregio vor.

Von Feinden zu Freunden

Rafe Courage betonte die reichhaltigen Beziehungen Großbritanniens mit den Niederlanden und Deutschland, insbesondere Nordrhein-Westfalen. Er erinnerte an die „Operation Marriage“ der britischen Militärregierung 1946, in dessen Rahmen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg die Regionen Nordrhein und Westfalen unter neuem Namen als das „Land“ Nordrhein-Westfalen „getraut“ wurden und Düsseldorf als dessen Hauptstadt festgelegt wurde. Das unter der Regie der Briten neu geschaffene Bundesland sei ohne Zweifel ein Stabilisierungsfaktor und eine nachhaltige Erfolgsgeschichte der Entwicklung Deutschlands bis heute.

Noch heute arbeiten 3.500 Briten bei den britischen Streitkräften in Nordrhein-Westfalen, wobei die Zahl seit Ende des Kalten Kriegs, Anfang der 1990er Jahre kontinuierlich gesunken ist. Insgesamt leben in Deutschland 100,000 Briten, von denen 25.000 in Nordrhein-Westfalen ihre Wahlheimat gefunden haben.

Zwischen den nordrheinwestfälischen und britischen Gemeinden werden 140 Städtepartnerschaften aktiv gepflegt, was in den vergangenen mehr als 70 Jahren zu unzähligen Austauschen führte. Gleiches gilt in der Bildung, Forschung und Lehre, insbesondere im schulischen und universitären Bereich, ganz zu schweigen von der Bedeutung der Verflechtung von Wirtschaft und Handel zwischen den beiden Ländern.

Business as usual?

Der Generalkonsul beschrieb die gegenwärtige Lage in Bezug auf den Brexit.

Zum 22. Juli 2019 wird der Nachfolger von Theresa May als Chef der regierenden Konservativen Partei durch die Mitglieder gewählt und wird damit ebenfalls Premierminister.

Sir Sebastian Wood, der britische Botschafter in Deutschland, bezeichnet die gegenwärtige Lage in Bezug auf den Brexit als ein Dreieck, bestehend aus 1. den kompromisslosen Brexit-Befürwortern, die einen EU-Austritt ohne Vereinbarung möchten, 2. den Brexit-Gegnern, die einen „Exit vom Brexit“ wollen und 3. den 27 EU-Mitgliedsstaaten, für die die Vereinbarung mit der britischen Regierung unter Premierministerin May noch besteht. Es müsse an allen Seiten Bewegung geben. Das grösste Hindernis sei dabei der „Backstop“, die Regelung der Beziehungen zwischen Irland, Nord-Irland, Grossbritannien und der EU.

Der Brexit aber bedeute keinesfalls den Abschied von den Freunden und Partnern in Europa. Rafe Courage unterstrich dabei die Absicht der britischen Regierung die ausgezeichneten Beziehungen mit den europäischen Nachbarn post-Brexit fortzusetzen. Die Niederlande und Deutschland spielen dabei eine zentrale Rolle.

Die Briten hauen einfach ab … die Deutschen sind beleidigt

Das höre sich aber in der hiesigen Diskussion ganz anders an, denn nach den deutschen Medien „hauen die Briten einfach ab“, kommentierte Erwin Schmitz.

Regina Schneider, die lang bestehende und starke – auch verwandtschaftliche – Beziehungen mit Großbritannien pflegt, empfindet den Brexit persönlich als eine große Enttäuschung und Kränkung.

Seit dem Brexit setzen sich die britischen Botschaften, Konsulate und die Vertreter Großbritanniens in den Mitgliedsstaaten der EU mit Kommentaren wie diesen auseinander. Rafe Courage erläuterte, dass man den beiden oben gennnnten Statements exemplarisch die unterschiedliche Bedeutung der EU für die Briten und die Deutschen entnehmen kann.

Für zahlreiche Deutsche war und ist die EU der politische Garant für den Frieden in Europa. Für zahlreiche Briten hingegen waren und sind die EU und ihre Vorgängerorganisationen EWG und EG ausschiesslich ein Wirtschaftsprojekt, das dem Land lediglich die Vorteile des gemeinsamen Marktes bietet.

Einerseits haben die Briten in Vorreiterrolle stets solche Maßnahmen forciert, die die Marktöffnung fördern, wie die EU-Osterweiterung und den Binnenmarkt, aber andererseits haben sie sich am Euro und am Schengen nicht proaktiv beteiligt.

Kooperationsmöglichkeiten

Das Arbeitsgebiet des Düsseldorfer Generalkonsulats besteht aus den vier Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland; das Arbeitsgebiet der Euregio Rhein-Waal besteht in Deutschland aus den Kreisen Wesel und Kleve sowie den kreisfreien Städten Düsseldorf und Duisburg und in den Niederlanden aus einem Grossteil der Provinz Gelderland, nämlich der Stadtregio Arnheim-Nimwegen, Süd-West-Gelderland, Veluwe und Achterhoek, sowie dem Nord-Osten der Provinz Nord-Brabant und dem Norden der Provinz Limburg.

So überlappen sich die Arbeitsgebiete des Konsulats und der Euregio geografisch am Niederrhein. Für die niederländische Seite sind die Botschaften und Konsulate in den Niederlanden zuständig.

Auch thematisch – etwa in den Bereichen Wirtschaft, Innovation und Kultur – überlappen sich die Handlungsfelder.

Die Konsulate treten als Projektträger oder Partner nicht auf, sondern sie vermitteln in erster Linie Kontakte und agieren als Ratgeber. Die Möglichkeit der Vernetzung britischer Unternehmen auf beiden Seiten der deutsch-niederländischen Grenze wird seitens der Euregio eruiert. Bei Bedarf sagte Rafe Courage die Unterstützung dieser deutsch-britisch-niederländischen Netzwerkaktivitäten durch das Generalkonsulat zu.

Fazit

Seit der Brexit-Entscheidung vor drei Jahren erfahren zahlreiche deutsch-britische Städtepartnerschaften und zivilgesellschaftliche Organisationen eine Wiederbelebung. Auch die Universitäten und Unternehmen forcieren bestehende Vebindungen, Initiativen und Projekte und suchen nach neuen Kooperationsmöglichkeiten.

Am Ende des Gesprächs folgerte Erwin Schmitz: Das war ein sehr interessantes Gespräch, in dem wir insbesondere einen tiefen Einblick in Besonderheiten der britischen Kultur und der britischen Mentalität bekommen haben. Mir persöhnlich ist dadurch der Blick auf die Brexitdiskussion in Großbritannien und hier bei uns wesentlich deutlicher und differenzierter geworden. Die Briten hauen doch nicht ab, sondern „die Briten bleiben bei uns … in Europa“.